Willy-Brandt war einer der wichtigsten Politiker der deutschen Sozialdemokratie. Er ist deshalb auch namensgebend für die höchste Ehrung, die es in der SPD gibt: Die Willy-Brandt-Medaille. Gleich vier Mal wurde diese jetzt auf Vorschlag der Ortsvereine Nauborn, Steindorf und Wetzlar für verdiente Mitglieder aus deren Reihen vergeben. Geehrt wurden Ulrike Göttlicher-Göbel, Karlheinz Kräuter, Hans Litzinger und Udo Volck.
Die Laudatio anlässlich der Feier im Steindorfer Tannenhof hielt der ehemalige Landrat des Lahn-Dill-Kreises, Wolfgang Schuster. Er nahm die Ehrung zum Anlass, um vor dem Hintergrund der aktuellen Umfrageergebnisse auf den Kern einer Volkspartei zu sprechen zu kommen. Die SPD müsse wieder begreifen, dass sich dieser aus verschiedenen Mileus bilde. "Wenn ich mir die zu Ehrenden ansehe, wird dies sichtbar", so Schuster. Vom Soldaten Hans Litzinger, über den Unternehmer Karlheinz Kräuter und den Lehrer Udo Volck bis zur Agrarwissenschaftlerin Ulrike Göttlicher-Göbel seien Menschen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen vertreten, die in der Sozialdemokratie ihre Heimat gefunden und diese über Jahrzehnte geprägt hätten.
So sei Ulrike Göttlicher-Göbel für die Wetzlarer SPD an 365 Tagen im Jahr bei Wind und Wetter im Einsatz gewesen. Vom Plakatekleben, bis zum Organisieren von Veranstaltungen und Sitzungen habe sie stets Verantwortung übernommen. Jahrzehntelang sei ihre fachliche Expertise in Ausschüssen und im Parlament parteiübergreifend geschätzt worden. Schuster erinnerte auch daran, dass Göttlicher-Göbel für die Gründung des Fördervereins Stadtwald Wetzlar mitverantwortlich gewesen sei.
Ebenfalls lange Zeit im Parlament aktiv war Hans Litzinger. Er verkörpere den Markenkern der Sozialdemokratie, so Schuster. Über mehrere Jahrzehnte leitete Litzinger den Sozialausschuss. Seine kritischen Zwischenrufe aus der letzten Reihe des Parlaments seien Vielen noch gut im Gedächtnis. "Du warst streitbar, wenn es sein musste", so der ehemalige Landrat. Er lobte Litzinger als zupackend und impulsgebend und erinnerte an dessen großen Einsatz im Rahmen zahlreicher Wahlkämpfe.
Ein halbes Jahrhundert in der SPD und seit den achtziger Jahren als ehrenamtlicher Stadtrat aktiv, pflegte Karlheinz Kräuter Wetzlars Städtepartnerschaften. Von Colchester bis Siena und von Avignon bis Pisek reiste er als "unser Außenminister" durch Europa, so der ehemalige Landrat. Die Solidaritätspartnerschaft mit Schepetiwka in der Ukraine wurde von ihm maßgeblich initiiert. "Wir waren immer stolz, dass Du dieses Amt ausgefüllt hast", lobte Schuster Kräuters Einsatz, den dieser oft mit Unterstützung seiner Frau Gudrun geleistet habe.
Udo Volck kann auf 43 Jahre als Wetzlarer Parlamentarier zurückblicken. 33 davon leitete er als Stadtverordnetenvorsteher die Sitzungen. Dies ist rekordverdächtig. "Du warst das Gesicht des obersten Organs der Stadt und hattest auch das Vertrauen der Parlamentarier, die anderen Gruppierungen angehörten", beschrieb Schuster die besondere Rolle von Volck. Dass Volck darüber hinaus auch durch Ideen und persönliche Kontakte die Entwicklung der Stadt maßgeblich mitgestaltet habe, machte Schuster am Beispiel des Leitzparks deutlich. Die Anregung hierzu war seinerzeit von Volck gekommen.
Wegbegleiter aus Politik und Gesellschaft darunter Oberbürgermeister Manfred Wagner, SPD-Stadtverbandsvorsitzender Jörg Kratkey, Fraktionsvorsitzende Sandra Ihne-Köneke und die bisher einzige Wetzlarer Preisträgerin, Gisela Jäckel, waren gekommen, um gemeinsam mit den Familien und Freunden der Geehrten der Feierstunde beizuwohnen.
