16 Jahre Verantwortung und ein starkes Votum für die nächsten fünf Jahre

Wetzlar. Die Delegiertenversammlung des SPD Stadtverbands Wetzlar stand in diesem Jahr im Zeichen von Rückblick, Aufbruch und Verantwortung. Was am 29. April mit dem letzten Bericht von Manfred Wagner als Stadtverbandsvorsitzendem begann, fand am 28. Mai mit der einstimmigen Zustimmung zum Koalitionsvertrag zwischen SPD und CDU seinen Abschluss.

 

Nach 16 Jahren an der Spitze des SPD-Stadtverbands hielt Wagner am 29. April seinen letzten Bericht als Vorsitzender. Dabei blickte er vor allem auf die zurückliegenden Kommunalwahlen und die politische Lage der SPD insgesamt zurück. Die Rahmenbedingungen seien alles andere als einfach gewesen: „Krieg in Europa, steigende Energiepreise, wirtschaftliche Unsicherheiten. Das Umfeld war und ist nicht leicht. Aber die SPD war sich ihrer staatspolitischen Verantwortung in dieser Zeit immer bewusst“, sagte Wagner.

Für den Wahlkampf vor Ort habe diese bundespolitische Lage die Arbeit jedoch nicht einfacher gemacht. Die SPD habe in Wetzlar nicht das Ergebnis erzielen können, das ihrer Arbeit in der Stadt entsprochen hätte. Wagner erinnerte daran, dass die Sozialdemokratie seit 2011 ununterbrochen Verantwortung in Wetzlar übernommen habe und die Stadt sich in dieser Zeit hervorragend entwickelt habe. Besonders hob er die Arbeit von Stadtkämmerer Jörg Kratkey hervor. Durch dessen solide Finanzpolitik sei es über Jahre gelungen, ausgeglichene Haushalte vorzulegen und damit wichtige Spielräume für Investitionen zu sichern, etwa im sozialen Wohnungsbau, in der Förderung von Sport und Vereinen sowie in der sozialen Infrastruktur.

 

Die ursprünglich für den 29. April vorgesehene Beratung über den Koalitionsvertrag mit der CDU konnte noch nicht stattfinden. Die Verhandlungen waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen. Wagner machte deutlich, dass neue Mehrheitsverhältnisse auch neue Kompromisse erforderten: „Wer weiter Verantwortung übernehmen und die Zukunft Wetzlars gestalten will, muss kompromissfähig sein. Aber unsere Haltung geben wir dabei natürlich nicht auf.“ Die Gespräche würden intensiv und in der Sache geführt. Eine Einigung sei möglich, brauche aber noch etwas Zeit.

 

Zugleich markierte die Versammlung einen personellen Übergang. Wagner betonte, dass für ihn immer klar gewesen sei, dass der Vorsitz keine lebenslange Aufgabe sein solle. Mit Jörg Kratkey stehe nun ein ausgewiesener Experte der Kommunalpolitik bereit, Verantwortung für den Stadtverband zu übernehmen. Die Delegierten wählten Kratkey anschließend mit 100 Prozent der abgegebenen Stimmen zum neuen Vorsitzenden des SPD Stadtverbands Wetzlar. Zu seinen Stellvertretern wurden Manfred Wagner und Anne Peter-Lauff gewählt. Den Vorstand komplettieren Bärbel Keiner als Kassiererin, Nicole Baumann als Schriftführerin, Tom Amadé Diehl als Pressesprecher sowie die Beisitzerinnen und Beisitzer Christopher Bursukis, Andrea Volk, Olaf Körting, Thomas Willführ, Reimar Mewes, Michelle Dickopf, Ingeborg Koster, Thorsten Dickopf und Sandra Ihne-Köneke.

 

Am 28. Mai wurde die unterbrochene Delegiertenversammlung fortgesetzt. Im Mittelpunkt stand nun der ausgehandelte Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD für die Wahlperiode 2026 bis 2031. Vorgestellt wurde der Vertragsentwurf durch die Verhandlungsführer Manfred Wagner und Jörg Kratkey.

 

Wagner beschrieb die Gespräche als anspruchsvoll, aber erfolgreich: „Der Weg zu diesem Koalitionsvertrag war harte Arbeit. Aber das Ergebnis ist eine tragfähige Verständigung und eine gute Grundlage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit in den nächsten fünf Jahren.“ Entscheidend sei gewesen, sich mit dem künftigen Koalitionspartner auf das zu konzentrieren, was Wetzlar in den kommenden Jahren wirklich brauche und gemeinsam vorangebracht werden könne.

 

Jörg Kratkey unterstrich diesen Gedanken und stellte den Gestaltungsanspruch der SPD heraus: „Dieser Vertrag ist kein Sammelsurium parteipolitischer Maximalforderungen. Er ist ein Arbeitsprogramm für Wetzlar. Er verbindet solide Finanzen mit dem klaren Willen, unsere Stadt weiterzuentwickeln.“ Gerade darin liege die Stärke der Vereinbarung: Sie kommentiere nicht die Vergangenheit, sondern formuliere gemeinsame Aufgaben für die Zukunft.

 

Für die SPD sei besonders wichtig gewesen, dass solide Haushaltspolitik an erster Stelle stehe. Alle Initiativen müssten sich daran orientieren, was finanziell machbar und langfristig tragbar sei. Dass das Kapitel „Solide Haushaltspolitik verfolgen“ im Koalitionsvertrag den anderen inhaltlichen Kapiteln vorangestellt ist, wurde in der Versammlung deshalb ausdrücklich als wichtiges Signal gewertet. Kratkey machte deutlich: „Gestalten kann nur, wer die finanzielle Handlungsfähigkeit der Stadt sichert. Solide Haushalte sind kein Selbstzweck. Sie sind die Voraussetzung dafür, dass wir in Wohnen, Bildung, Vereine, Infrastruktur und Zusammenhalt investieren können.“

 

Nicht verschwiegen wurde, dass es aus Sicht der SPD auch politisch sensible Punkte gab. Dazu zählt etwa die vorgesehene Tourismusabgabe, die dem Koalitionspartner CDU ein wichtiges Anliegen war. Wagner betonte jedoch, dass der gefundene Kompromiss gerade keinen Alleingang Wetzlars vorsehe. Vielmehr solle eine enge Abstimmung mit den anderen Städten und Gemeinden im Lahntal-Tourismusverband erfolgen. Auch die Akteure des lokalen Gastgewerbes sollen eingebunden werden. „Ein Kompromiss bedeutet nicht, dass jeder Punkt die eigene Lieblingslösung ist“, stellte Wagner klar. „Entscheidend ist, ob am Ende ein verantwortbarer Weg für Wetzlar steht. Das ist hier der Fall.“

 

In der anschließenden offenen Diskussion dankten die Genossinnen und Genossen dem Verhandlungsteam für den Einsatz und das erreichte Ergebnis. Anerkennung fand vor allem, dass der Vertrag die unterschiedlichen politischen Handschriften beider Partner erkennen lasse, ohne die gemeinsame Verantwortung aus dem Blick zu verlieren. Die Debatte machte deutlich, dass die SPD den Vertrag nicht als bloße Vereinbarung zwischen Parteispitzen versteht, sondern als belastbare Grundlage für konkrete Arbeit in den städtischen Gremien. Die sachliche Form des Vertrags wurde dabei als wichtiges Signal für die kommende Zusammenarbeit gewertet.

 

Am Ende stimmten die Delegierten dem Koalitionsvertrag einstimmig zu. Damit gab der SPD-Stadtverband grünes Licht für die Zusammenarbeit mit der CDU und für eine Politik, die Wetzlar in den kommenden fünf Jahren verlässlich, solide und zukunftsorientiert weiterentwickeln soll.

 

Emotional wurde es zum Abschluss der Versammlung noch einmal, als Jörg Kratkey für den Stadtverband und Sandra Ihne-Köneke für die Fraktion die Leistung von Manfred Wagner würdigten. Kratkey erinnerte daran, dass Wagner mit 16 Jahren länger Vorsitzender des SPD Stadtverbands Wetzlar gewesen sei als irgendjemand zuvor in der Geschichte des Stadtverbands. Zugleich blickte er auf Wagners frühere Stationen in der Partei zurück, unter anderem auf seine Zeit als Schriftführer, als dieses Amt noch mit Schreibmaschine und viel Handarbeit verbunden gewesen sei.

 

Kratkey fand persönliche Worte des Dankes: „Du warst in all dieser Zeit nicht einfach nur da. Du warst immer ein Aktivposten. Vor deiner Disziplin, deinem Fleiß und deinem Ideenreichtum verneigen wir uns.“ Wagner habe die SPD Wetzlar über viele Jahre geprägt, zusammengehalten und immer wieder nach vorne gedacht. 

 

 

Mit der Wahl Jörg Kratkeys zum neuen Vorsitzenden, der einstimmigen Zustimmung zum Koalitionsvertrag und der Würdigung Manfred Wagners verband die Delegiertenversammlung damit drei zentrale Botschaften: Dank für 16 Jahre Verantwortung, Geschlossenheit für die kommenden Aufgaben und den klaren Willen, Wetzlar weiter aktiv zu gestalten.