Der Lotse geht von Bord - Udo Volck verlässt nach über vier Jahrzehnten die politische Bühne

33 Jahre lang leitete Udo Volck die Sitzungen der Stadtverordnetenversammlung. Bemerkenswert ist hierbei nicht nur die Dauer seiner Amtszeit als Stadtverordnetenvorsteher, die in Hessen einmalig sein dürfte. Es ist vor allem auch die Art und Weise wie er seine Aufgabe ausfüllte, die ihm den Respekt und die Anerkennung über Parteigrenzen hinweg sicherte: Klar, unaufgeregt, respektvoll und immer wieder mit einer Prise Humor gewürzt lenkte er die Geschicke des Parlaments. Einstimmig hatten ihn die Wetzlarer Abgeordneten vor fünf Jahren erneut zum „Ersten Bürger“ gewählt. Nun leitete Volck seine letzte Sitzung, in der es fast nur um ihn ging.

 

Als Udo Volck im Dezember 1983 als Nachrücker in die Stadtverordnetenversammlung einzog war vom jetzigen Status eines allseits bekannten und respektierten Volksvertreters noch nicht viel zu erahnen, wie er selbst in seinem Rückblick bekannte. Denn als er den SPD-Kollegen nach seiner ersten Parlamentssitzung folgte, um im damaligen Stammlokal der Fraktion das Nebenzimmer zu betreten, hielt ihn die Wirtin zurück: „Herr Volck, da können Sie nicht mit rein. Da sitzt die SPD“, soll sie zu ihm gesagt haben.

Das sieht heute ganz anders aus. Vertreter aller Fraktionen würdigten ihn, der so wenig von persönlichen Ehrungen hält, mit separaten Reden: Beiträge von SPD, CDU, FWG, Grünen, FDP, AfD und Die Partei setzten sich lobend mit seiner Art der Führung auseinander. „Ich war als ihr Moderator immer gut beraten auf das einzugehen, was Sie wollten. Und Sie waren gut beraten auf das einzugehen, was ich wollte“, brachte Volck seine persönliche Art der Führung auf den Punkt. Eine manchmal fast väterliche Art, die es ihm ermöglichte, mit allen politischen Vertretern umzugehen, ohne Sanktionen verhängen zu müssen.

 

Dass er hierbei durchaus auch Nähe zum konservativen Spektrum zeigte, wurde aber in mancher Rede schon deutlich. So freute sich Michael Hundertmark auf ein zukünftiges gemeinsames Bier, wie er zugab. Und Volck sagte vor dem Hintergrund, dass die CDU als stärkste Fraktion des neu gewählten Parlaments das Vorschlagsrecht für seine Nachfolge ausüben wird: „Wurde auch mal Zeit nach all den Jahren.“

 

Ja, Udo Volck holte für seine SPD bei vergangenen Wahlen wahrscheinlich manche Stimme, die nun bei anderen Gruppierungen landete. Vor allem ist es aber seine Stimme, die in Zukunft fehlen wird - als kritischer Geist, der immer auf die Rechte des Parlaments achtete, der mit seiner direkten Art intern auch mal aneckte. Nicht weil er auf Krawall aus war, sondern weil er im politischen Diskurs ein „Glattbügeln“ nie zulassen wollte. Als Lotse des Parlaments setzte er 33 Jahre sicher und auf seine besondere Art den Kurs, aber nie gegen die Mannschaft und auch nie gegen die Führung. Hierfür verdient er allergrößten Respekt und Anerkennung.

 

Dies brachte auch Harald Semler als Geschäftsführer des Hessischen Städte- und Gemeindetages in seiner Rede zum Ausdruck. Er bekannte, dass es für 33 Jahre als Stadtverordnetenvorsteher in seinem Verband gar keine Auszeichnung gebe. Gleichzeitig erinnerte er an die Ehrung für das 30-jährige Jubiläum.

 

Oberbürgermeister Manfred Wagner würdigte Volck im Namen des Magistrats mit der Verleihung der Ehrengabe der Stadt, der zweithöchsten Auszeichnung, die Wetzlar vergibt und lobte unter anderem dessen Fähigkeit im Rahmen der Sitzungsleitung „in Sekundenschnelle die richtigen Entscheidungen zu treffen“, wie er in seiner Laudatio anerkennend resümierte.

„Es fällt schwer, sich das anzuhören und festzustellen: Man selbst soll das alles gewesen sein“, fasste der Geehrte seine Sicht auf die vergangenen Jahrzehnte abschließend zusammen.